Rebellische Kriterien für die Wahl deines Studiengangs

Als ich mich damals für mein Studium entschieden habe, bin ich aus heutiger Sicht recht unbedarft gewesen. BWL schien mir eine gute Wahl: Es ließ mir viele Möglichkeiten offen (eine richtig klare Vorstellung von einem Job hatte ich noch nicht), Marketing interessierte mich, den mathematischen Teil würde ich auch packen … und die Uni Köln hat einen sehr guten Ruf! Im Rückblick muss ich heute sagen, dass mich viele Themen nicht wirklich interessiert haben, Marketing sehr langweilig vermittelt wurde, und auch die Professoren kein Feuerwerk an Inspiration für mich waren!

Deswegen würde ich heute anders rangehen an die Wahl des Studienfachs und der Hochschule, um herauszufinden, ob das Studium wirklich zu mir passt!
Ich würde eher folgende 5 Fragen stellen:

  1. Um welche Themen geht es im Detail?

Da hilft nur Eintauchen in die Tiefen des Modulhandbuches und – bei jedem einzelnen Thema – die Frage an sich selbst: Was davon interessiert mich so richtig? Habe ich Lust, ein Buch darüber zu lesen? Mag ich es von ganzem Herzen auf meine Liste „Das habe ich LUST zu lernen“ schreiben? Wenn die Mehrheit der Themen nicht auf diese Liste wandern, dann ist das Studium vermutlich nicht wirklich meins! Klar, man kann sich da durch ackern und kriegt es vermutlich auch hin (so wie ich) – aber viel mehr Spaß macht das Ganze, wenn ich wirklich brenne für die Themen, die im Studium vorkommen.

2. Wieviel Gestaltungsspielraum hast du?

Wie viel Freiheit hast du, Themen und Bereiche auszuwählen, die Reihenfolge zu beeinflussen und die Themen von Hausarbeiten selber zu bestimmen? Oder andersherum: Wie viel ist einfach gesetzt, Pflichtprogramm, vorgegeben? Versprochen ist: Die Freiheit macht mehr Spaß und ermöglicht echtes Lernen – nicht nur für die nächste Klausur.

3. Wer sind die Lehrenden?

Such dir ein paar Professor:innen und Dozent:innen aus dem Studiengang raus und recherchiere, was du über sie findest. Vorträge? Veröffentlichungen? Sind die Menschen für dich inspirierend? Lies einen Artikel, kauf dir ein Buch und schau, was das mit dir macht!

4. Wie wird vermittelt und gelernt?

Vorlesung und Seminar sind die Standards im Studium, klar. Reinsetzen, zuhören & mitschreiben – manchmal eine Frage stellen und was diskutieren. Aber gibt es auch modernere Formate im Studiengang deiner Wahl? Wie viel praktische Anwendung, Peer-Learning oder Projektarbeit an echten Projekten (und nicht nur konstruierte Fallstudien) gibt es? Denn eins ist sicher: Das macht mehr Spaß und ermöglicht echtes Lernen – nicht nur Auswendiglernen für die nächste Klausur.

5. Wie wird geprüft?

Auch da würde ich heute anders hinschauen: Welche Art von Leistungsüberprüfung gibt es konkret in den einzelnen Fächern/bei einzelnen Lehrenden: Klausur, Multiple Choice-Test und Hausarbeit zu vorgegebenem Thema? Ganz ehrlich: Das ist wenig zeitgemäß! Aber leider noch oft Realität! Und wahrscheinlich auch der Aspekt, den noch nicht viele Hochschulen verändert haben. Mein Tipp: Überleg doch einfach mal, wie du dir Leistungsüberprüfung wünschen würdest! 

Neue Perspektiven möglich

Diese 5 Fragen ermöglichen neue Perspektiven für deine Studienwahl und helfen dir, eine Entscheidung für oder gegen eine Option zur treffen – und nicht einfach reinzustolpern in das nächste Lernprogramm, das ähnlich starr und fest ist wie die Schule es war. 

Was kommt bei dir raus, wenn du diese Fragen für dein Wunsch-Studium beantwortest? Ein „ich wusste, das passt zu mir!“ oder eher die ernüchternde Erkenntnis, dass es noch nicht perfekt ist? Dann ist mein Tipp: Erforsche noch mal, was und wie du wirklich lernen willst und wo du das finden kannst!Überleg doch einfach mal, wie du dir Leistungsüberprüfung wünschen würdest! 

Meine Entdeckungen


Einige Hochschulen sind übrigens schon richtig fortschrittlich – ein paar meiner Entdeckungen teile ich hier noch mit dir:
Leuphana Universität Lüneburg, 42 School Wolfsburg, 42 School Heilbronn, Code University Berlin, HPI School of Design Thinking. Schau mal rein und lass dich inspirieren, was an Lernformaten möglich ist – auch wenn die Studiengänge dich vielleicht inhaltlich nicht interessieren.
Und: Schreib mir unbedingt, wenn du noch andere Hochschulen kennst, die mit neuen Formaten arbeiten.